Image der Schweiz in der 3. Welt


Studie ergibt positives Image der Schweiz in Entwicklungslaendern

Swisscontact fuehrte eine Studie zum Image der Schweiz bei kleinen und mittleren Unternehmen in sechs Entwicklungslaendern durch. Sowohl die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit als auch Schweizer Wirtschaftsunternehmen werden durchwegs positiv wahrgenommen. Kritische Stimmen sind ueberraschend rar.


In den letzten Jahren stand die Schweiz unter starkem aussenpolitischem Druck. In Nordamerika und Europa hat das Image der Schweiz durch die Nazigold-Affaere und deren Aufarbeitung erheblichen Schaden genommen. Es stellt sich die Frage, ob in Entwicklungslaendern aehnliche Tendenzen zu beobachten sind. 

Diese und andere Fragen gaben fuer Swisscontact den Ausschlag, zu ihrem 40-jaehrigen Jubilaeum eine Studie zum Image der Schweiz in Entwicklungslaendern durchzufuehren. Die Studie wurde in Zusammenarbeit mit dem Soziologischen Institut der Universitaet Zuerich im Fruehjahr dieses Jahres realisiert. Befragt wurden 600 LeiterInnen von kleinen und mittleren Unternehmen in den Laendern Peru, Bolivien, El Salvador, Kenya, Sri Lanka und Philippinen.

Die Schweiz schneidet bei der schriftlichen Befragung allgemein sehr gut ab. ueber 90% der befragten Personen stehen der Schweiz grundsaetzlich positiv gegenueber. Die Schweizer gelten als offen und fortschrittlich. (--> vgl. Abb. 1) Das Image scheint in den gewaehlten Laendern nicht oder nur wenig gelitten zu haben. Unter den Laendern zeigt sich ausserdem eine erstaunliche Homogenitaet: in allen Laendern waren die Meinungen vorwiegend positiv.

Die Schweiz scheint sich etwas von ihrem Kaese-Image geloest zu haben: danach befragt, was ihnen als erstes zum Begriff "Schweiz" in den Sinn kommt, nannten die Befragten an erster Stelle wirtschaftliche Aspekte wie stabile Wirtschaftslage, Qualitaetsprodukte und moderne Technologien. Diese wurden oefter genannt als die auf Platz zwei rangierenden Klischeegueter wie beispielsweise Schokolade, Uhren und Kaese. Nur knapp weniger oft genannt wurden monetaere Aspekte wie Reichtum, Banken und Geld. (--> vgl. Abb. 2)

Sehr gut schneiden in der Studie vor allem die Schweizer Unternehmen ab, die in den entsprechenden Laendern taetig sind. Sie gelten als gute Arbeitgeber und werden als umweltfreundlich und vertrauenswuerdig wahrgenommen. Die meisten Befragten sind der Meinung, dass Schweizer Unternehmen ihrem Land wirtschaftliche Vorteile bringen. (--> vgl. Abb. 3) Die Befragten schaetzen besonders die Bereitstellung guter Arbeitsplaetze, den Technologieimport und die Produktion von qualitativ hochstehenden Guetern, die durch Schweizer Unternehmen eingefuehrt werden. Einzelne kritische Stimmen sehen in auslaendischen Unternehmen jedoch auch Gefahren fuer die eigene Privatwirtschaft. (--> vgl. Abb. 4)

In engem Zusammenhang mit der positiven Wahrnehmung der Schweiz stehen die Aktivitaeten der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit. Diese sind sehr erwuenscht, wenn auch 80% der Befragten bemaengeln, dass die Schweiz noch zu wenig fuer ihr Land tut. Die Leistungen der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit werden in den ausgewaehlten Laendern durchaus positiv bewertet (--> vgl. Abb. 5). Der eingeschlagene Weg der Schweizer Entwicklungszusammenarbeit wird bestaetigt: von den vier wichtigsten Taetigkeitsfeldern der Entwicklungszusammenarbeit belegen Bildungs- und Technologieprojekte die Raenge eins und zwei. Auf Rang drei und vier folgen Ernaehrungsprojekte und Umweltschutzprojekte.

Verbesserungsvorschlaege zur Schweizer Entwicklungszusammenarbeit werden zwar viele genannt, doch sie zeigen ein sehr heterogenes, von Partikularinteressen gepraegtes Bild. Die Meinungen ueber gute Entwicklungszusammenarbeit gehen auch in den betroffenen Laendern weit auseinander. (--> vgl. Abb. 6)


Zur Studie:

  • befragte Laender: Peru, Bolivien, El Salvador, Kenya, Sri Lanka, Philippinen

  • befragte Personen: LeiterInnen von kleinen und mittleren Unternehmen (pro Land 100)

  • Befragungsmethode: standardisierter, schriftlicher Fragebogen in Landessprache mit offenen und geschlossenen Fragen

  • Zeitraum: Maerz bis Mai 99

Zu Swisscontact:

  • Schweizerische Stiftung fuer technische Entwicklungszusammenarbeit

  • 1959 von Persoenlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft gegruendet

  • 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Asien, Afrika Lateinamerika und Ostlaendern

  • Projekte in beruflicher Aus- und Weiterbildung, Foerderung von Klein- und Mittelbetrieben, Stadtoekologie

  • Grundsaetze: Hilfe zur Selbsthilfe, Foerderung der Privatinitiative, Verantwortung der Individuen fuer ihre persoenliche Entwicklung, Unterstuetzung der Chancengleichheit von Frau und Mann


Resultate zur Studie "Das Image der Schweiz in Entwicklungslaendern"

Abbildung 1: Imagefragen zu den SchweizerInnen und zur Schweiz als Land


"Ich stehe der Schweiz als Land grundsaetzlich positiv gegenueber"

"Ich stehe der Schweiz als Land grundsaetzlich negativ gegenueber"

"Die Schweizer scheinen mir Fremden gegenueber offen"

"Die Schweizer scheinen mir Fremden gegenueber abweisend"

"Die Schweizer scheinen mir ein fortschrittliches Volk"

"Die Schweizer scheinen mir ein konservatives Volk"

"Ich finde, dass sich die Schweiz fuer aermere Laender einsetzt"

"Ich finde, dass sich die Schweiz nicht fuer aermere Laender einsetzt "



Abbildung 2: Stichwoerter zur Schweiz




Abbildung 3: Imagefragen zu Schweizer Unternehmen *


"Die Schweizer Unternehmen...

...sind fuer uns sehr gute Arbeitgeber"

...sind fuer uns keine guten Arbeitgeber"

...bringen unserem Land wirtschaftliche Vorteile"

...bringen unserem Land wirtschaftliche Nachteile"

...achten sehr auf die Umwelt"

...achten nicht besonders auf die Umwelt"

...sind fuer mich vertrauenswuerdig"

...sind fuer mich nicht vertrauenswuerdig"

* Bemerkung: Die Befragten wurden aufgefordert, einer der beiden gegenueberliegenden Aussagen zuzustimmen. Die Resultate widerspiegeln also die Meinung der Befragten, und nicht etwa die Realitaet. Dasselbe gilt fuer Abb. 1 und Abb. 5



Abbildung 4: Stimmen zu Schweizer Unternehmen 


Wie empfinden Sie die Praesenz der Schweizer Unternehmen in Ihrem Land? Beschreiben Sie kurz, was Sie stoert oder was Sie freut

  • "The Swiss Companies are helping Kenyans to bring the already down economy on its feet. We would be happy if more investors came to our aid" (Industrieunternehmer, Kenya)

  • "Very agreable and competent" (Qualitaetsprueferin, Kenya)

  • "Beneficials in terms of employment, but finances are brougt back to Switzerland instead of being reinvested back into the economy" (Hotelbesitzerin, Philippinen)

  • " We don't want to have another Spain or America to exist in the Philippines. We have fought for more than 100 years to regain our freedom, including, freedom to run our own economy. If Switzerland has really the HEART and SOUL to help us, especially in line with technology, so do it! BUT PLEASE, no vested interests and hidden agendas" (Bauunternehmer, Philippinen)

  • "They have come for their benefits, but we are benefitted very much in terms of employment, technology and good products" (Baeckermeister, Sri Lanka)

  • "Exzellent, tragen viel zum Humankapital bei" (Sportclubbesitzer, Peru)

  • "Fremde Investitionen sind gut fuer unser Land. Es ist gut, wenn sie unsere Normen ergaenzen" (Sicherheitssysteme, Peru) 

  • "Es gefaellt mir, dass sie in ein Land gehen und sich mit ihm verbinden. Zusaetzlich ist ein kultureller Austausch immer gut" (Automechaniker, Bolivien)

  • "Kommerzieller Eindruck. Viel Personalismus" (Metallbauunternehmer, Bolivien)



Abbildung 5: Imagefragen zur Schweizer Entwicklunszusammenarbeit




Abbildung 6: Stimmen zur Schweizer Entwicklungszusammenarbeit


Haben Sie Vorschlaege, wie die Schweiz ihre Aktivitaeten fuer Entwicklungszusammenarbeit verbessern koennte?

  • "They should not extend aid to corrupt governments" (Business Consultant, Kenya)

  • "Reach out the rural areas" (Papierfabrikant, Kenya)

  • "To me, everything is just perfect" (Tomatensauceproduzent, Kenya)

  • "The more business, the better" (Hotelbesitzer, Philippinen)

  • "Provide new technology, but make sure that our culture and environment is not affected" (Schneiderin, Sri Lanka)

  • "Wirtschaftkurse mit Universitaeten realisieren. Landwirtschaftskredite." (Metallkonstrukteur, Peru) 

  • "Umweltschutz, ohne die Umwelt mit den Maschinen zu gefaehrden, die sie fuer die Spitzentechnologie brauchen" (Getraenkehaendler, Peru)

  • "Es sollte mehr Informationen ueber die Hilfsprojekte geben" (Leiterin Geschaeft fuer industrielle Dienstleistung, Bolivien)

  • "Mehr grosse Projekte bezueglich den sozio-oekonomischen Beduerfnissen des Lands realisieren" (Verleger, Bolivien)

  • "Kredite an kleine Unternehmen mit tieferen Zinsen als bei den Banken" (Computerhaendlerin, El Salvador)

  • "Die Qualitaet der Bildung in unserem Land erhoehen!" (Apotheker, El Salvador)



Autoren:
Lukas Mira und Daniela Walla
Soziologisches Institut der Universitaet Zuerich


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